In der Länge liegt die Würze

Am Ende zulegen können, ist eine wichtige Qualität im Fußball. Das ist von der Bundesliga bis hinunter zur Kreisliga immer wieder zu beobachten. An diesem Wochenende versagte beispielsweise in der Nachspielzeit der Hamburger SV in Leverkusen, während zweieinhalb Stunden zuvor, die Profis des FC St. Pauli in der 90. Minute gegen Bielefeld losschlugen und dem Frauenteam als Vorbild dienten.

Denn die Erste Frauen lag bis 20 Minuten vor dem Ende scheinbar hoffnungslos 1:3 gegen DUWO 08 zurück. Was war passiert? Beide Seiten hatten mit Personalsorgen zu kämpfen. Die Gäste waren mit einem Minimalaufgebot an die Feldstraße gereist. Beim FC musste in der Viererkette rotiert werden. Die verletzte Kim Koschmieder (Schulter) wurde durch Amke Ihben ersetzt. Die in Delmenhorst ausgefallene Sanna Barudi setzte sich nach einem Trainerlehrgang erst einmal auf die Bank. Hinten rechts verteidigte erneut Lynn Isken.

Zwar prüfte Nina Philipp vom Anstoß weg gleich einmal die Aufmerksamkeit der für eine Torfrau recht zierlichen Ann-Cathrin Mitschke. Der Ball zischte nur knapp am Ziel vorbei. Doch damit erlosch der Offensivgeist der St. Paulianerinnen für eine satte halbe Stunde.

DUWO nutzt Schwächen gnadenlos aus

DUWO probierte es mit einfachen Mitteln. Langer Hafer wurde Richtung St. Paulis Abwehr geschlagen. Es stimmte die Zuschauer etwas bedenklich, dass dies in den ersten 45 Minuten gleich für zwei Treffer ausreichte. Die in Delmenhorst so starke Tara Zimmermann kam beim ersten Treffer überhastet aus dem eigenen Kasten, sodass Lea Lübke nach einer Flanke von der Grundlinie mit der Brust ins leere Tor verwerten konnte.

Dem 0:2 ging eine umstrittene Entscheidung voraus. Francis Wernecke schoss bei einem Klärungsversuch in den Bauch Maie Steins. Von dort prallte der Ball im Lauf von Diara Koc, die frei vor Zimmermann eiskalt erhöhte. Die Abwehr sah die Schützin im Gegensatz zu Schiedsrichterin Mirka Derlin nicht im Abseits. Doch die anschließenden Proteste fruchteten nicht.

Auch zuvor hatte das Gespann für Unruhe gesorgt. Technisch bestens ausgerüstet mit Headsets, wurde ein Treffer Philipps nicht gegeben, da die im Abseits stehende Linda Sellami die Defensive irritiert haben sollte. Im Zweifel für die Gäste, war offensichtlich das zweite Motto des Wochenendes, denn im großen Stadion hatte am Tag zuvor Bielefeld von merkwürdigen Entscheidungen profitiert.

St. Pauli: Von Schock zu Schock

Die technische Revolution ist nun auch im Frauenfußball des FC St. Pauli angekommen. Rufe nach der Torlinientechnologie wurden laut. Diese war aber nicht nötig, um den wichtigen Anschlusstreffer Philipps als legal zu identifizieren. Per Freistoß traf die Torjägerin gut fünf Minuten vor dem Pausenpfiff.

Doch nach der Pause ereilte St. Pauli der nächste Schock. Erneut wirkte die Deckung unsortiert. Nun hob Franciska Struckmeyer den Ball über Zimmermann zum 1:3 ins Netz. Fünf Minuten später hätte es aber schon 3:3 stehen können. Ann-Sophie Greifenberg setzte einen eleganten Volley knapp am langen Eck vorbei und Sellami vergab freistehend vor Mitschke.

Das Trainergespann brachte mit Barudi für Inga Schlegel nach einer Stunde nicht nur eine neue Mittelfeldkoordinatorin. Auch die Rolle der Kapitänin nahm diese gleich auf ihre Schultern beziehungsweise an den Arm. Barudi setzte in der Folge  mit Körpereinsatz auch kämpferische Zeichen an das Team und leitete über Philipp und Co. schnelle Kombinationen über das Zentrum ein. Doch bevor es zum großen Triumph reichen sollte, folgte eine weitere Parallele zu den Profis.

Kathrin Miotke bekam einen Fersentritt ab und musste wie Sören Gonther am Vortag das Spielfeld humpelnd verlassen. In ihre Fußstapfen trat Vivian Kellner. Die Außenbahnläuferin sorgte in ungewohnter Rolle für Dampf.

Grandioses Finale

In der 73. Minute wurde erstmals der Druck für die Defensive aus dem Nordosten Hamburgs zu groß. Koc fälschte einen Sellami-Schuss unglücklich zum 2:3 ab. Das Publikum, es waren wohl wieder an die 150 Fans, erwachte und trieb das Team nach vorne.

Fünf Minuten vor dem Ende tauchte Greifenberg nach einem Haken frei vor Mitschke auf und schloss routiniert ab. Als die Stürmerin dann in der vorletzten Minute den Ball aus ungünstigem Winkel ins lange Eck hob, kannte der Jubel unter Spielerinnen und Fans keine Grenzen mehr.

Vom Autor dieser Zeilen zur Frau der Partie bestimmt, reagierte Greifenberg auf ihre Weise und schimpfte auf die eigene "miserable erste Hälfte." Doch abgerechnet wird nach 90 Minuten und so bleiben zwei wunderbare Treffer im Gedächtnis, die drei Punkte wert waren. Miotke gab sich derweil nach dem Schlusspfiff optimistisch, dass an ihrem Fuß nur eine kleine Prellung mit blauem Fleck für kurze Zeit an die erzwungene Auswechslung erinnern wird und sie nächste Woche bei Burg Gretesch wieder auflaufen kann.

Ihr Trainer Kai Czarnowski zeigte sich nach der Partie glücklich über die drei Punkte, die für den Klassenerhalt maßgeblich sein können: "Auch wenn der Sieg Nerven gekostet hat. Doch er war hochverdient, wir spielten in der zweiten Halbzeit auf ein Tor. DUWO hatte bis auf das 1:3 keine Chance mehr."  Eben: Zulegen und am Ende zuschlagen zu können. Die Ersten Frauen zeigten eine tolle Moral und bei großer Hitze enormen Kampfgeist.

 

Ohne Cola zu drei Punkten - Auch die Zweiten Frauen überzeugen

Eine kleine Anekdote am Rande: Czarnowski überstand zum ersten Mal in seiner Trainerlaufbahn eine Partie ohne einen Schluck Cola. Neuigkeiten gab es auch am Rande. Erstmals ist von den Fans ein Saison-Tour--Shirt geplant. Es geht voran bei den Ersten Frauen.

 

Und auch die Zweite überzeugte und landete einen Überraschungscoup beim Eimsbütteler TV. Dort gewann die nun mit einigen früheren Spielerinnen der Ersten Frauen gespickte Elf eine Woche nach der unglücklichen Pokalniederlage mit 2:1.

 

Zwei Fanclubs: Gemeinsam in der neuen Liga
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Kathrin Miotke scheidet aufgrund einer Fußprellung aus
Kathrin Miotke scheidet aufgrund einer Fußprellung aus
Nina Philipps Freistoß markiert den 1:2-Anschluss
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Kommentare: 3
  • #1

    WIBKEZ (Montag, 12 September 2016 20:29)

    Ich möchte darauf hinweisen das der Trainer schon seit einigen Wochen auf Cola verzichtet. :-)

  • #2

    Uwe Toebe (Dienstag, 13 September 2016 11:05)

    Die Info kam vom Trainer selbst. Aber ob seit Wochen oder nicht, ist es ein vorbildlicher Schritt :-)

  • #3

    Kai-Trainer (Dienstag, 13 September 2016 21:19)

    Ihr habt beide recht, letztlich war es aber der erste Punktspielsieg ohne Cola...